THEATER LEBT – AUCH IN DER ERINNERUNG (Folge 8 )

SOMMERTHEATER – DANKE!


Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, Verlängerung der Maßnahmen bis zum 3. Mai 2020 - zum Theater gibt es noch keine Verordnung, mit der man praktisch umgehen kann. Ich werfe gerade die Notfallpläne, die wir vor dem Stopp in Windeseile für den 20. April entworfen hatten, wieder über den Haufen und kreiere in meinem Kopf neue Varianten. Ob wir uns überhaupt noch mal wiedersehen werden? Aber ich hatte für heute Fröhlichkeit versprochen. Und deshalb springen wir mit CASANOVA in die Chronologie zurück und landen im Sommer 2016. Unser Weg führt uns direkt ins Citrushaus des Ansbacher Hofgartens, in einen Glaspavillon mit Blick in den edlen Fuchsgarten. Ich liebe Sommertheater. Es gehört zu jedem Spielplan dazu. Daher war es für mich selbstverständlich, auch diese Theaterform langfristig in Ansbach zu etablieren. Wir spielten zwei Sommer im kleinen Citrushaus und wechselten dann in Folge in den großen Hof der Ansbacher Residenz. Wir kooperierten viermal erfolgreich mit der Verwaltung der Bayerischen Schlösser und Gärten in Ansbach. Der Geschäftsführerin Gabriele Wallerer und ihren Mitarbeiter*innen sei herzlich für die gute Zusammenarbeit gedankt. Die Wiesbadener Autorin und Regisseurin Jutta Schubert schrieb uns ein Stück über die Abenteuer des Casanova, das anlässlich der Ansbacher Rokokofestspiele zur Uraufführung kam. Für diese vierjährige Kooperation mit den Festspielen danke ich der ehemaligen Leiterin des Amtes für Kultur und Tourismus’ Ute Schlieker und ihrer Mitarbeiterin Frau Weinmann sehr herzlich. Die Zuschauer*innen saßen im Citrushaus und genossen den Blick in den sommerlichen Garten. Vor der Vorstellung flanierten die Schauspieler* innen zwischen den Blumenrabatten und waren als lebendige Bilder entzückend anzusehen. In der Pause taten es ihnen die Zuschauer gleich, wandelten zwischen Citrusbäumen, betrachteten die Blumen und die Fische im Brunnen, plauderten und nahmen kühle Getränke zu sich. Ein perfekter Abend, wie er an den europäischen Höfen des 18. Jahrhunderts nicht hätte zauberhafter sein können. Casanova reiste bei Jutta  Schubert durch ganz Europa und machte die Damenwelt unsicher. Meine Inszenierung dieses Roadmovies lebte von schnellen Wechseln der Orte, Figuren und Situationen. Tänze, Späße, Jonglagen, Kartentricks, Fechteinlagen, Gesang und Instrumentalmusiken belebten das Geschehen. Ein ständiger Kostümwechsel lies die Darsteller* innen dampfen.  Dave Wilcox war ein komödiantischer, berührender und manchmal sentimentaler Casanova. Der stattliche Mann war kein verschlagender Schurke, er verführte aus Lebensfreude und war zu tiefer Emotion fähig. Manchmal mussten ihm die Damen aus diversen Notlagen heraushelfen, oft genug geriet er in brenzlige Situationen mit liebestollen Frauen. Wilcox-Casanova war immerzu auf der Flucht oder auf der Suche, musste sich verbergen und maskieren, ganz so, wie Casanovas literarisches Abbild Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper. Seine Diener trugen ihr Übriges dazu bei. Eine wunderbare Entfaltungsmöglichkeit ergab sich, als Christian Laubert, Intendant des Freilandtheaters Bad Windsheim mir den Vorschlag machte, mit der Inszenierung auch das Schlösschen im Freilandmuseum zu bespielen. Wow, das war eine grandiose freundschaftliche Geste. Wir durften nun ein kleines Schloss mit zwei Etagen, Fenstern, Garten, Türen und Treppenaufgängen bespielen. In vier Tagen arbeiteten wir die Inszenierung auf die neue Location komplett um. Es herrschten fast 40 Grad, doch es war die reine Lust. Der Sommer flirrte. Die Blumen dufteten, die Kulisse strahlte. Die Inszenierung kam zur völligen Entfaltung. Das Publikum wuchs, denn die Tribünen des Freilandtheaters boten vielmehr Platz. Christian Laubert und seinem Team sei nochmals ganz herzlich gedankt für die Freundschaft und die ungeahnten Möglichkeiten. So bekam die Uraufführung des CASANOVA letztendlich  drei verschiedene Kooperationspartner. Bekommen Sie jetzt nicht auch Lust auf Sommertheater? Auf Freiheit, geselliges Beisammensein, laue Sommernächte? Oh ja, wir hoffen es sehr und wünschen uns, dass in diesem Corona-Sommer 2020 wenigstens die zahlreichen Freilichttheater der Region werden spielen können. Wir in Ansbach sind leider nicht mehr dabei, aber dem Freilandtheater Bad Windheim, den Dinkelsbühler Kolleg*innen und den Kreuzgangfestspielen Feuchtwangen wünsche ich viel Glück! Ich möchte Euch wiedersehen! (Fortsetzung folgt) CASANOVA ODER DIE KUNST DER VERFÜHRUNG von Jutta Schubert ( UA) Inszenierung: Susanne Schulz Kostüme: Ulrike Schörghofer Bühnenelemente nach Entwürfen von Andreas Becker Musikalische Leitung: Hartmut Scheyhing Choreographie: Claudia Dölker Fechtchoreographie und Training: Stephanie Schimmer Mit: Dave Wilcox Foto: Nicky Hellfritzsch

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