THEATER LEBT - AUCH IN DER ERINNERUNG (Folge 5)

Das internationale Reformationsjubiläum 2017 durfte nicht ungeachtet am Theater Ansbach vorübergehen. Ich suchte Partner für die Realisierung eines Stückes über Martin Luther und fand sie in der evangelischen Kirche Ansbach, mit der uns schon die Theaterpredigten verbanden (mehr darüber in den nächsten Folgen über Kooperationen und Raumbühne). Und ich fand sie in der Leipziger Autorin Friederike Köpf. Köpf ist eine Dramatikerin, die sehr genau recherchiert, ihre Stücke immer eng an der Theaterpraxis orientiert und auf Wünsche und Vorschläge seitens der Regie schnell und unprätentiös eingeht. Ihre Theatersprache ist poetisch, klug und klar. Das Ensemble war begeistert von den sprachlichen Gestaltungsmöglichkeiten, die ihre Texte eröffnen. Sie sind Theaterliteratur. Ich beschrieb Friederike Köpf detailliert meine Anliegen und sie kreierte ein Werk, das es sich nicht einfach machte. Das Stück ist keine simple Nacherzählung des Lebens Martin Luthers. Vielmehr taucht es tief in den „Kosmos Luther“ ein. Es reflektiert Luthers Glaubensüberzeugungen und –lehren, die verschiedenen historischen und theologischen Aspekte der Reformation und die Widersprüche und inneren Kämpfe der Persönlichkeit des Reformators. Zudem schlägt es mit der Thematisierung des Luther’schen Antisemitismus’ einen Bogen zur Gegenwart und zeigt dramaturgisch äußerst geschickt die Auswirkungen von Luthers Denken auf spätere Zeitalter. Luther (Gerald Leiß) ringt in der Auseinandersetzung mit Paulus’ „Brief an die Römer“ um Gottes Gerechtigkeit. Er erfährt wesentliche Impulse von einer allegorischen Figur, dem Klaren Wort (Claudia Dölker). Claudia Dölker spielte einen behänden Puck, der lebensfroh und zugewandt durch einen Wald von Kreuzen springt und Luther durch Versteckspiel und Pfiffe auf die rechte gedankliche Spur bringt. Fast ein gewitzter Amor im Spiel von Verlockung und Lehre. Luther hängt gedankenschwer seinen Kämpfen um den rechten Glauben nach und spürt tief in sich, dass er vor einer großen Erkenntnis steht. Letztlich kommt er mit Hilfe des Klaren Wortes zu einem Schlüsselgedanken der Reformation: „Denn es ist kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist.“  Der Mensch wird nicht gerecht durch seine Leistung, sondern „allein durch den Glauben“ (Sola fide). Luther verliert seine Ängste und Zweifel und fühlt sich nach diesem Prozess endlich frei. Das Bild zeigt, dass Luther jedoch immer wieder in innere Zweifel und äußere Anfeindungen gerät. Das klare Wort versucht, ihn wieder aufzurichten. Im Hintergrund steht lauernd der Teufel.  (Fortsetzung folgt) LUTHER! DAS KLARE WORT von Friederike Köpf Premiere 4. März 2017, Theater Ansbach, Schwanenritterkapelle St. Gumbertus Inszenierung: Susanne Schulz Bühnenbild und Kostüme: Jan Hax Halama Musikalische Leitung: Hartmut Scheyhing

Choreographische Mitarbeit: Claudia Dölker Mit: Gerald Leiß, Claudia Dölker, Anna Mariani

Foto: Jim Albright


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