THEATER LEBT – AUCH IN DER ERINNERUNG (Folge 11)

GOETHE UND FRAU VON STEIN – DANKE NAUMBURG

Wie habe ich diese Arbeit geliebt! Der Dramatiker, Lyriker und Essayist Peter Hacks gilt als einer der bedeutenden DDR-Autoren. Die Premiere seines Stückes EIN GESPRÄCH IM HAUSE STEIN ÜBER DEN ABWESENDEN HERRN VON GOETHE erarbeitete ich für das Theater Naumburg am 31.10.2013. Wir kombinierten es als Goethe-Doppelabend mit Goethes WERTHER in der Bearbeitung und Inszenierung von Paul Sonderegger. Den Werther spielte Andreas C. Meyer, den ich von Naumburg nach Ansbach engagiert hatte. Dank der Erlaubnis der Stadt Naumburg durfte ich den gesamten Abend vier Jahre später nochmals wiederaufnehmen und den Ansbachern damit eine weitere Premiere schenken. Danke, liebes Naumburg, danke an meine ehemaligen Mitarbeiter*innen des Theater Naumburg. Es waren wunderbare Zeiten bei und mit Euch.

Die Inszenierung in der phantasie- und liebevollen Ausstattung von Ruth Krottenthaler lebte durch sehr komplexe Licht- und Schattenspiele, die auf den Punkt genau im Zusammenspiel mit bestimmten Musikeinspielungen, Stichworten oder Bewegungselementen erfolgen mussten. Bei der Wiederaufnahme leistete die Ansbacher Technikmannschaft, die die Inszenierung vorher nicht kannte, in kurzer Zeit Außerordentliches. Auch dafür meinen herzlichen Dank.

Als Gast begrüßten wir in Ansbach die großartige Schauspielerin Katja Preuß. Sie sollte das Schicksal der platonischen Freundin Goethes, Charlotte von Stein, wieder aufleben lassen.

In Vorbereitung der Naumburger Inszenierung war ich gemeinsam mit Katja Preuß ins nahegelegene Weimar gereist, wo wir uns zum Gespräch mit Frau Dr. Elke Richter vom Goethe und Schiller-Archiv trafen. Sie ist Mitherausgeberin der historisch-kritischen Ausgabe von Goethes Briefen, die ein Jahr vorher, 2012, erschienen war. Frau Dr. Richter erzählte uns viele Details zu dem Briefwechsel Goethes mit Frau von Stein. Unter anderem, dass Frau von Steins Briefe verschollen und lediglich Goethes kleine Zettel, Papierfetzen-Notizen und Briefe erhalten sind.

Gemeinsam mit Ruth Krottenthaler unternahm ich eine Besichtigungstour durch die Schlösser und Gärten von Weimar und Umgebung. Mir schwebte u.a. ein Holzfußboden vor, dessen mögliche Materialität und Farbe wir suchen wollten. Zudem wollte Ruth Krottenthaler einen Sekretär, Stühle und wenige Requisiten in einem Kabinett einsetzen. Ruth ist eine Bühnenbildnerin, die sehr phantasievoll, sorgsam und mit viel Liebe fürs Detail arbeitet. Auf einem Gastspiel unseres Theaters in Bayreuth anlässlich des Wagner-Jubiläums entdeckte ich in einem Geschäft den kleinen Nachbau eines historischen Sekretärs. Ein kurzes Telefonat mit unserem Naumburger Technikleiter David Groß genügte und der Sekretär wurde kurzerhand für die Rückreise nach Naumburg aufgeladen. Ruth überflutete ihn mit einer Wucht von Briefen und machte so aus dem Möbelstück ein Kunstwerk.

Im „Theater hinterm Eisernen“, einer Spielstätte, in der das Publikum auf der Ansbacher Bühne sitzt, entfaltete das Kabinett durch die Vergrößerung des Außenraumes eine spannenden Wirkung. Es schien zu schweben und bot, wie im Raum oszillierend, die Gedankenfläche für die Erinnerungen, inneren Kämpfe und Zwiegespräche der Frau von Stein mit (dem abwesenden Herrn von) Goethe.

(Fortsetzung folgt)

EIN GESPRÄCH IM HAUSE STEIN ÜBER DEN ABWESENDEN HERRN VON GOETHE

von Peter Hacks

Premiere in Ansbach am 21.01.2017, Theater Ansbach im Theater hinterm Eisernen

Inszenierung: Susanne Schulz

Bühnenbild und Kostüme: Ruth Krottenthaler 

Mit: Katja Preuß

Foto Ansbacher Fassung: Jim Albright



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