THEATER LEBT – AUCH IN DER ERINNERUNG (Folge 10)

DER ZAUBER DER KOSTÜME


Ulrike Schörghofer entwarf wunderschöne, prächtig anzusehende Kostüme. Sie zauberte aus einem Miniatur-Etat die Ausstattung einer kleinen Hofoper, kreativ unterstützt von Schneiderin Vera Goth. Ulrike Schörghofer ist eine Meisterin des Kostüms. Sie kombiniert geschickt edle historische Stoffe mit heutigem Material und erfindet in Windeseile Kreationen, die sie auch selbst bearbeitet. Sie entwirft sehr individuell für jede einzelne Darstellerin, jeden einzelnen Darsteller und schöpft dabei oft aus ihrem ausgewählten privaten Fundus. Jutta Schuberts Roadmovie erforderte einen ständigen Kostümwechsel. Casanova blieb, der er war. Doch Katja Straub und Andreas Flick übernahmen 15 verschiedene Rollen. Mal war man in Frankreich, mal in der Türkei, mal schipperte Casanova durch Venedig, mal saß er im Serail. Die Kostüme mussten zauberhaft aussehen und gleichzeitig die Strapazen der Inszenierung aushalten. Für die Schauspieler*innen bedeutete dies Dynamik, Dynamik, Dynamik. Hatte man sich eben als schrullige Alte gezeigt, so war man in der nächsten Szene als leidenschaftliche Liebhaberin gefragt.

Die bildhübsche Katja Straub sang mit ihrer wunderschönen Sopranstimme Caccini und Mozart, begleitete mit Gitarre und Klavier. In den Kehlen aller drei Spieler*innen strömten Partien aus Mozarts DON GIOVANNI. Katja wälzte sich als die uralte Madame d’Urfé mit Casanova auf dem Boden, examinierte Casanova als völlig überarbeitete Theaterdirektorin bei einem Vorsingen (Ähnlichkeiten völlig ausgeschlossen!) und berührte die Herzen mit der als Kastrat getarnten Sängerin Bellino – Casanovas großer Liebe.

Dramaturg und Schauspieler Andreas Flick bot als Alleinunterhalter an seiner Hammondorgel schräge Musik dar, die sich auch zeitweise selbständig machte und einen kitschigen Schlagerrhythmus schlug. Er zeigte sich tapfer im Fechtkampf mit Casanova und nahm als sein Diener gern auch mal im Schatten der Hammondorgel ein Gläschen zu sich. Flink schlüpfte er in die Rolle des Wirts von Ancona, war der durchtriebene Türke Ismail oder der senile Senator Bregadino. Fidel begrüßte er Casanova als österreichischer Offizier und verfolgte ihn eifersüchtig als Diener Masetto, um im nächsten Moment unschuldig pfeifend die Stube zu fegen.

Das letzte Foto zeigt Katja Straub und Andreas Flick als das Dienerpaar, Casanova von Beginn an als Spielmacher von Szene zu Szene treiben, mit ihm ihre Späße treiben, um sich am Ende als komisches Paar zu vereinen.

(Fortsetzung folgt)

CASANOVA ODER DIE KUNST DER VERFÜHRUNG von Jutta Schubert (UA)

Premiere 4. Juli 2016, Theater Ansbach, Citrushaus im Hofgarten

Gastspiel im Freilandtheater Bad Windsheim

Inszenierung: Susanne Schulz Kostüme: Ulrike Schörghofer

Bühnenelemente nach Entwürfen von Andreas Becker Musikalische Leitung: Hartmut Scheyhing

Choreographie: Claudia Dölker

Fechtchoreographie und Training: Stephanie Schimmer

Mit: Katja Straub, Dave Wilcox

Foto: Nicky Hellfritzsch
















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